
Ich arbeite an der Schnittstelle von Skulptur, Keramik und Performance. Ton ist mein Hauptmaterial, und meine Arbeitsweise ist stark prozessorientiert. Ich betrachte meine Skulpturen als physische Archive verkörperter Erfahrungen, Emotionen und performativer Gesten. Der Prozess spielt eine zentrale Rolle in meiner Praxis und ist mitunter wichtiger als das fertige Objekt.

Wie hast du den Weg in die Kunst gefunden?
Ich entdeckte Ton im Alter von 6 Jahren.
Das Material wurde zu meinem Zufluchtsort und zu einem Werkzeug, um mich völlig frei und ohne äußere Einschränkungen auszudrücken. Mein Weg entfaltete sich allmählich durch das praktische Tun. Ich habe mich schon immer zum Arbeiten mit meinen Händen hingezogen gefühlt, aber erst durch den Ton wurde mir bewusst, wie eng Material, Körper und Geist miteinander verbunden sein können. Mit der Zeit ging es mir in meiner Praxis weniger um die Herstellung von Objekten und mehr um das Zuhören und Beobachten dessen, was durch das Material zum Vorschein kommen wollte.

Was motiviert dich, deine Kunst weiterhin auszuüben?
Kunst lässt mich lebendig fühlen und verbindet mich mit dem, was uns menschlich macht. Mein künstlerischer Prozess ermöglicht mir den Dialog mit mir selbst und der Welt. Solange es Fragen gibt, die ich nicht vollständig beantworten kann, bin ich motiviert, weiterzuarbeiten. Sie hilft mir, mich selbst zu verstehen und das, was in mir aufsteigt, zu deuten. Während sich alles um uns herum ständig verändert, finde ich in meiner Kunst Halt und verliere mich nicht im Trubel.

Was war rückblickend dein persönliches Highlight als Künstlerin?
Die Einrichtung meines eigenen Ateliers, das ich zu einem Ort für künstlerische Forschung und gemeinsamen Austausch gemacht habe, markierte einen Wendepunkt:
Von isoliertem Arbeiten hin zur Öffnung meiner künstlerischen Praxis für andere durch Workshops, Performances, Ausstellungen und Kooperationen. Mein Studium an einer der weltweit führenden Kunsthochschulen hat meine künstlerische Praxis natürlich maßgeblich geprägt, wofür ich sehr dankbar bin.

Wann fühlst du dich am Kreativsten oder Produktivsten?
Wenn die Rechnungen bezahlt sind und ich den Kopf frei habe, um ohne äußere Ablenkung kreativ zu sein.
Wer oder was inspiriert dich am meisten?
Inspiration findet man natürlich überall. Ich schöpfe sie aber hauptsächlich aus meinem Inneren. Hinzu kommen meine Meditation, zeitgenössischer Tanz und natürlich das Material selbst. Ton ist mein Lehrmeister.

Welche kleinen Dinge im Leben bereiten dir die größte Freude?
Oh ja, da gibt es eine Menge, aber ich denke, alles beginnt mit einer guten Nachtruhe, selbstgemachtem Essen, Bewegungsübungen, Sonnenlicht und Verbundenheit – sei es mit Ton, mit mir selbst oder mit geliebten Menschen.

Hast du eine Vision oder ein Ziel, auf das du derzeit hinarbeitest?
Ich arbeite daran, die Verbindung zwischen Performance, Skulptur und Meditation zu vertiefen, indem ich eine neue Werkreihe entwickle und Räume schaffe, in denen andere Kreativität als eine Form der Präsenz und nicht als Leistung erleben können.

Wie würdest du ein erfülltes Leben definieren?
Ein bewusstes, neugieriges, ehrliches und mutiges Leben.
Was tust du, wenn du dich festgefahren oder uninspiriert fühlst?
Ich muss mich bewegen und atmen. Ich fange einfach an, indem ich aus dem Kopf rauskomme und mich auf meinen Körper konzentriere. Ton hilft mir dabei sehr.

Welches Gefühl liebst du am meisten?
Lebendigkeit.

Welches Gefühl magst du nicht oder mit welchem findest du es am schwierigsten umzugehen?
Durch Meditation habe ich gelernt, dass es keine schlechten Gefühle gibt. Aber natürlich sind manche Gefühle schwieriger zu bewältigen als andere. Sich verloren zu fühlen, ist wahrscheinlich eines der schwierigsten. Dennoch schätze ich mich glücklich, die Schönheit des kreativen Prozesses erlebt zu haben und gelernt zu haben, wie man das Unbekannte annehmen kann. Auch Trauer ist besonders schwer zu bewältigen. Vor allem, weil sie oft mit einem Mangel an Energie einhergeht. All diese Gefühle sind jedoch eine Einladung, sich auf sie einzulassen, sie kennenzulernen und zu spüren. Das Schöne daran, Künstler*in zu sein, ist, dass man sie nutzen und durch seine Arbeit transformieren kann.

Was ist dein Lieblingsfilm – der erste, der dir in den Sinn kommt?
Nenn mich bei deinem Namen von Luca Guadagnino.
Welches Buch würdest du jedem empfehlen – welches ist das erste, das dir in den Sinn kommt?
Loslassen von David R. Hawkins.
Wenn du für den Rest deines Lebens nur noch ein einziges Lied hören könntest, welches wäre es?
Mhhh, das ist eine schwierige Frage – ich schätze, es ist das Geräusch des Ozeans.

Was ist dein Favorite Guilty Pleasure?
Schokolade.

Gibt es ein Lebensmittel oder Getränk, ohne das du nicht leben könntest?
Neben Schokolade gibt es Wasser und Lasagne.
Wo ist dein Lieblingsplatz – zu Hause, in der Natur oder ganz woanders?
Im Studio, beim Kreieren oder in meinem Bett beim Schlafen.

Nenne eine*n Künstler*in oder eine Person, die dich inspiriert – die erste, die dir in den Sinn kommt.
Es sind zwei: Marina Abramović und Lucio Fontana.

Vielen Dank, Anke, dass du dir die Zeit für unser Interview genommen hast.
Wenn du Anke persönlich kennenlernen, mit ihr kreativ sein und von ihr lernen möchtest, kannst du unbedingt einen ihrer nächsten Keramik-Einsteigerkurse in Berlin, Deutschland, besuchen.
Bis zum nächsten Mal!
Katja

Katja Krämer, Gründerin und Organisatorin von subcultours